Tomaten: Esst sie reif, esst viele davon, esst nicht das Grüne

Ich glaube, dass Tomaten die ersten Lebensmittel waren, bei denen ich verstanden habe: Es macht einen Unterschied, wann wir sie essen. Ob im Winter, wenn sie aus Holland kommen (nichts gegen Holland, aber ihr wisst, was ich meine). Oder im Sommer, direkt vom Feld. Natürlich am liebsten in Italien, denn nichts geht über italienische Tomaten im Sommer. Aber in diesem Sommer waren die Tomaten von „unserem“ Bauern das absolute Highlight. In rot und klein, in gelb und klein, in rot und groß – ganz egal.

Natürlich haben sie auch genau jetzt die besten Nährstoffpower. Aber ich wollte erst einmal den Geschmack abfeiern, bevor wir zum offiziellen Teil übergehen. Das habe ich getan – also reden wir über die eigentliche Frage: Was macht Tomaten gesund? (Achtung, langer Text. Aber ich glaube, es lohnt sich.)

Tomaten: Gesund, vor allem im Sommer.

Sind Tomaten eigentlich Obst?

Gucken wir uns erst an, womit wir es zu tun haben: Tomaten sind Nachtschattengewächse, sie kommen ursprünglich vermutlich aus der Gegend von Peru und Ecuador, werden mittlerweile aber weltweit angebaut. Im botanischen Sinne sind Tomaten Beeren und damit wären sie eigentlich Obst. Der Fachliteratur zufolge werden sie aber „aufgrund ihrer Verwendung“ zu Gemüse gezählt – obwohl sie dort eigentlich nicht ganz richtig sind.

Übrigens gibt es mehr als 2000 verschiedene Tomatensorten. Und wie viele davon kennen wir? Im Supermarkt gibt es meistens Cherrytomaten (die kleinen) und Fleischtomaten (die großen) zur Auswahl. Okay, in guten Supermärkten kommen wir auch auf fünf, vielleicht sogar sieben Sorten. Bleiben nur noch mehr als 1993, die wir nicht kennen.

Tomaten: Gesund, vor allem im Sommer.

Was sollten wir beim Tomatenkauf beachten?

Egal, welche Sorte wir kaufen: Tomaten sollten immer reif sein, wenn wir sie essen. Denn die unreifen, noch grünen Früchte enthalten Solanin, das in größeren Mengen giftig ist. Am wenigsten Solanin steckt in Tomaten, die vollreif geerntet wurden und nicht nach dem Pflücken noch nachreifen. Wichtig dabei: Es gibt auch Tomatensorten, die grün bleiben – das ist dann kein Zeichen von Unreife und damit hohem Solaningehalt.

Die Substanz steckt übrigens auch im Stiel der Tomaten – und deshalb sollte man sogar den Stielansatz immer herausschneiden. Was ich bei kleinen Cherrytomaten bis zu dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, nicht getan habe. Aber nachdem ich mich jetzt noch einmal eingelesen habe, werde ich es wohl tun.

Tomaten: Gesund, vor allem im Sommer.

Was macht Tomaten gesund?

Natürlich sind Tomaten toll für uns, wissen wir alle. Aber warum eigentlich?

  • Tomaten enthalten ziemlich viel Vitamin C, 100 Gramm rohe Tomaten decken etwa ein Viertel der empfohlenen Tageszufuhr.
  • Durch das Vitamin C stärken Tomaten unter anderem das Immunsystem und durch die antioxidative Wirkung werden freie Radikale bekämpft, die Krankheiten verursachen und uns schneller altern lassen können.
  • Tomaten enthalten Lypocin, das zu den Karotinoiden zählt und Studien zufolge als krebsvorbeugend gilt, außerdem verringert es das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Gehalt hängt unter anderem von Jahreszeit und Reifegrad ab. Also: Wer zur richtigen Jahreszeit kauft, hat mehr davon.
  • Tomaten gelten auch als basenspendend, sind also ein Ausgleich zu den vielen eher sauren Lebensmitteln, die wir aufnehmen.
  • Tomaten sind außerdem ein Gemüse mit einem extrem niedrigen glykämischen Index, sie enthalten kaum Kohlenhydrate und sind deshalb super für einen stabilen Blutzuckerspiegel.

Sind auch Dosentomaten gesund?

Normalerweise sage ich immer: Je mehr ein Lebensmittel verarbeitet ist, je künstlicher die Verpackung, je länger die Haltbarkeit – desto weniger kann unser Organismus davon profitieren. Im Fall der Tomate gilt das nur eingeschränkt. Denn tatsächlich ist in Dosentomaten, Tomatenmark oder Tomatensaft mehr Lypocin enthalten.

Ausnahmsweise ist hier eine Erhitzung mal nützlich: Durch die Wärme werden die Zellwände der Tomaten aufgebrochen und so wird das ganze Lypocin freigesetzt. Das Zerkleinern der Tomaten verstärkt diesen Effekt.

Wenn wir also davon ausgehen, dass die Tomaten vor der Verarbeitung frisch und reif geerntet werden und wir darauf achten, dass möglichst wenig (oder keine) weiteren Zusatzstoffe dabei sind: Dann sind Dosentomaten tatsächlich eine gute Wahl. Mit einer Einschränkung: Vitamin C geht durch lange Lagerung verloren.

Tomaten: Gesund, vor allem im Sommer.

Kommen Tomaten in den Kühlschrank?

Nein. Tomaten sollten nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden, obwohl das meiner Erfahrung nach viele Menschen tun. Dort können sie aber ihr Aroma verlieren, wodurch sie später weniger gut schmecken – was schade wäre. Am besten lagert man sie bei mittlerer Temperatur an einem dunklen und luftigen Platz. Oder man isst sie schnell, das wäre die beste Lösung.

Wie ist das mit Lektinen in Tomaten?

Wer sich ein bisschen mit Foodthemen, Ernährungstheorien und aktuellen Verschwörungsmythen beschäftigt, hat vielleicht schon mal von Lektinen gehört. Ich kann dazu sonst diesen Podcast ans Herz legen (der mich etwas verstört hat) oder diesen Artikel (auf deutsch und dauert weniger als 52 Minuten – also vielleicht die bessere Wahl).

Die Kurzfassung: Lektine sind Abwehrstoffe der Pflanzen, mit denen sie sich in der Natur selbst schützen wollen: Und diese Stoffe können uns Menschen schaden – behaupten einige. Alles gar nicht so dramatisch – behaupten andere. Ich würde deshalb nicht auf Tomaten verzichten. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Großartige Rezepte mit Tomaten: